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Geschichte der Burg und der Stadt Wassenberg

19 Jan

Die Geschichte der Burg und der Stadt Wassenberg ab ca. 1000 n. Chr. Es kann angenommen werden, daß in der Römer- oder in der Normannenzeit auf dem Wassenberger Burgberg eine Wehranlage existierte.
Urkundlich steht fest, daß die Wassenberger Burg im Besitz folgender Personen war:

Kaiser Heinrich II ( 1002 – 1024 ) schenkte Burg und Land Wassenberg um 1020 dem Edelherrn von Antoing aus Flandern.
Gerhardus Flaminus I. von Wassenberg , geboren in Flandern um 985, Graf von Teisterband und Veluwe.
Dessen Sohn Derick ( Dietrich ) von Veluwe und Graf von Teisterbant, geb. um 1035. Er starb am 18. Oktober 1082 im Schloßkerker des Gottfried von Bouillon. ( König von Jerusalem )
Dessen Sohn Gerhard II. von Wassenberg ( 1082 – 1118 ), verheiratet mit Clementia von Gleiberg.
Deren Sohn Gerhard III. von Wassenberg und Geldern ( 1118 – 1131 ), verheiratet mit Irmgard von Zütphen.

Gerhards Schwester Jutta erhält Wassenberg als Heiratsgut bei ihrer Hochzeit am 04.06.1110 mit Walram III von Arlon- Limburg, welcher seit 1125 Herzog ist und im Jahre 1139 stirbt. Am 24.06.1151 oder 1159 ist Juttas Todesjahr. Die Vorfahren der Jutta von Wassenberg führen ihren Stammbaum auf Karl den Großen zurück. Zu ihren Nachfahren zählt auch das Königshaus der Niederlande.

Sohn Heinrich III, Herzog von Limburg ( 1139 – 1167 ). er stirbt vor Rom an der Pest.
8.Sohn Heinrich IV, Herzog von Limburg ( 1167 – 1221 ). Er überläßt dem Erzbischof von Köln die Burg Wassenberg für 1700 Mark.
Söhne Heinrich V und Walram übernehmen das Herzogtum Limburg mit Wassenberg und Monschau mit dem Vater.
Gerhard erhält 1202 Wassenberg alleine als Erbgut ( Gerhard V ). Er heiratet Beatrix von Merheim.

1206 Schlacht bei Wassenberg

1206 tobt bei Wassenberg die Entscheidungsschlacht im Thronkrieg zwischen dem Staufen Philipp von Schwaben ( Sohn Friedrich Barbarossas und Bruder Heinrich VI ) und dem Welfen Otto IV von Braunschweig ( Sohn Heinrich des Löwen ). Philipp von Schwaben ist Sieger der Schlacht bei Wassenberg. Der Erzbischof von Köln,Bruno von Sayn, wird auf der Wassenberger Burg gefangen genommen. Otto IV entkommt nach Köln, wo Heinrich IV von Limburg die Stadt verteidigte.

Sohn Gerhard II ( Gerhard VI ), verheiratet mit der Tochter des Heinrich von Lothringen ( die Ehe wurde vom Papst aufgelöst). Er stirbt 1254.
Gerhard III ( Gerhard VII ). Er stirbt 1257, Wassenberg fällt nun zurück an Limburg und zwar an: [list]Walram IV von Limburg ( 1247 – 1279 ), verheiratet mit Jutta von Kleve.
Seine einzige Tochter Irmgard ( 1280 – 1283 ) wird Erbin von Limburg und Wassenberg. Sie stirbt 1283.

Erbstreit um Limburg und Wassenberg ( 1283 – 1288 ), bzw. 1295.

Erzbischof Siegfried von Westerburg erhält Burg und Land von Wassenberg von Reinhard von Geldern.
Johann von Brabant erhält 1283 Land und Burg Wassenberg von Adolf von Berg. Beide nehmen 1288 in der Schlacht von Worringen das limburgische Erbe in Anspruch und erhalten ihre Bestätigung durch den Sieg.
Erzbischof von Köln, Siegfried von Westerburg, will Wassenberg nicht an Brabant abgeben, deshalb erobert Johann I. Wassenberg und zerstört Stadt und Burg.
Johann II., Herzog von Brabant ( 1295 – 1313 ) erhält endgültig Wassenberg. Er ist mit der Tochter des Königs Eduard I. von England verheiratet.
Johann III., der Triumphierende genannt, ( 1312 – 1355 ) Herzog von Lothringen, Brabant und Limburg mit Wassenberg. Er ist verheiratet mit Maria, Tochter des Königs Ludwig von Frankreich. Sie stirbt 1335.

Johanna ( 1335 – 1406 ) Tochter und Erbin vermählte sich:

  • mit Wilhelm IV., Graf von Holland, gestorben 1345
  • mit Wenzel von Böhmen, Herzog von Luxemburg, gestorben 1383. Wenzel ist der Sohn des Königs von Böhmen und Bruder des Kaisers Karl IV.Die jüngeren Geschwister Johannas:
  • Margarete ( 1323 – 1368 ), vermählte sich mit Ludwig, Graf von Flandern, gestorben 1384
  • Maria ( 1325 – 1399 ), vermählt mit Herzog Reinhald von Geldern, gestorben 1371.
  • Heinrich, Mitregent als Herzog von Limburg ( 1349 – 1352 ).
    1404 verzichtet Johanna auf die Regierung zu Gunsten ihrer Nichte, Tochter von Margarete und Ludwig von Flandern.Die Nichte, Margarete von Flandern ist verheiratet mit Philpp dem Kühnen von Burgund.
    Aus dieser Ehe geht als zweiter Sohn Antonius von Flandern hervor. Ihm übergibt Margarete die Regierung von Lothringen, Brabant mit Limburg und Wassenberg. Er übergibt den Heinsbergern das Land Wassenberg mit Burg in Pfand und rechnet 2000 Gulden auf die Pfandsumme für den Wiederaufbau von Burg und Stadtmauern an. Der Burgfried aus dieser Zeit ist heute noch erhalten.1365 hatten die Heinsberger Burg und Stadtmauern schleifen lassen, um sie dem Herzog von Luxemburg , Wenzel, dem zweiten Gemahl Johannas, als Verteidigungsstätte unbrauchbar zu machen. Wenzel zieht im Auftrag seines Bruders, Kaiser Karl IV. gegen die Heinsberger und Jülicher wegen ihrer Raubrittertätigkeit.1450 kommt Wassenberg mit Limburg und Brabant an Philipp von Burgund ( 1419 – 1467 ).
    Er ist Nachkomme des unter Punkt 23 erwähnten Philipp des Kühnen von Burgund.
    Karl der Kühne ( 1467 – 1477 ) übernimmt das Erbe Philipps mit Burgund, Geldern und Wassenberg.
    Seine Erbin ist Maria von Burgund, die Tochter Karls des Kühnen. Sie heiratet Kaiser Maximilian I. ( 1493 – 1519).
    Wassenberg kommt nun über Limburg, Brabant, Burgund an den römischen Kaiser aus dem Hause Habsburg, Maximilian I.Sein Nachfolger ist Kaiser Karl V. ( 1519 – 1556 ). Er ist der Sohn Philipps des Schönen und der spanischen Erbin Johanna. Er übernimmt das Reich, in dem die Sonne nicht untergeht. Durch seine Gemahlin erhält er Spanien mit seinen Besitzungen in Amerika dazu.

    1480 hat Wilhelm V., der Reiche von Jülich ( 1539 – 1592 ) von Vincenz von Moers Wassenberg in Pfand erhalten. Auf der Burg Wassenberg residierte der Amtmann Werner von Palant und unter seinem Schutz durften die eingewanderten niederländischen Predikanten und Täufer, unter anderen auch die Führer der protestantischen Wiedertäuferbewegung Kampanus und Roll, verehrt von der ganzen Bevölkerung, ihren Gottesdienst in der St. Georgskirche abhalten. Hier, wie im ganzen Selfkant, verleugneten die Sakramentierer die Heilige Dreifaltigkeit, um desto fester an die Gerechtigkeit Gottes und ein Paradies auf Erden zu glauben. Werner von Palant konnte jedoch nicht verhindern, daß im Sommer 1536 nach dem Sturz der Wiedertäufer in Münster der Kirchenvisitator Harff den Wassenberger Johann Renken verbrennen und am nächsten Tag in die Rur werfen ließ.Der Reformbewegung tat das kaum Abbruch, lediglich Heinsberg blieb streng katholisch. Die Berichte der Heinsberger wie der Wassenberger Stiftskapitel lassen erkennen, daß viele Täufer und Sakramentierer sich den Calvinisten anschlossen und trotz der Gegenreformation zu reformierten Gemeinden zusammenwuchsen.
    Wilhelm V. beantragt bei Kaiser Karl V. ihm den Besitz von Geldern und Wassenberg zu bestätigen. Der Kaiser lehnt ab.
    So kommt es 1542 zum Gelderischen Erbfolgekrieg zwischen Karl V. und Wilhelm V. von Jülich.
    Die Jülicher werden besiegt. Kaiser Karl V. kommt nach Wassenberg. Man öffnet ihm freiwillig die Tore. Er übernachtet am 29.08.1543 auf der Wassenberger Burg. ( Vom Jahre 1524, dem 23. Mai, liegt eine Privilegienverleihung des Kaiser Karls an die Stadt Wassenberg vor.)
    Siehe Ledebur!!

    Im Frieden zu Venlo 1543 übergibt Kaiser Karl dem Herzog Wilhelm von Jülich Stadt und Land Wassenberg. Geldern kommt an den Habsburger.

    Wilhelm V. bringt Wassenberg wirtschaftlichen Aufschwung. er selbst hält sich gerne auf der Burg Wassenberg auf. In seinen letzten Jahren der Regierung kommt viel Unheil über die Gegend von Wassenberg. Im Truchsessischen Krieg (1583 – 1589) versuchten Wassenberger Bürger nach Köln zu fliehen. Viele werden in der Nähe von Junkersdorf überfallen und ermordet (1586). Der Herzog mußte nach den Vereinbarungen des Friedens von Venlo neutral bleiben. In die Regierungszeit Wilhelms V. von Jülich fällt der Hundertjährige Krieg, der auch die Stadt und das Land Wassenberg stark heimsucht.
    1592 stirbt Wilhelm V. von Jülich. Er war verheiratet mit Maria, der Tochter König Ferdinands. König Ferdinand ist der Bruder und spätere Nachfolger Kaiser Karls V. Aus dieser Ehe ging der schwachsinnige Johann Wilhelm hervor.

    Johann Wilhelm ( 1592 – 1609 ) Herzog von Jülich, stirbt kinderlos. Nach dem Hausgesetz, dem Kaiser Karl V. Bestätigung erteilt, sind die Schwestern Johann Wilhelms als Erbe berechtigt. Daher stellen in dem folgenden Jülich-Klevischen Erbfolgekrieg folgende Schwestern auf die Erbfolge Ansprüche:

  • Maria Eleonore, sie stirbt vor ihrem Bruder 1608. Die Rechtsansprüche gehen auf ihre Tochter Anna und deren Gemahl Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg über.
  • Schwester Anna ist vermählt mit dem Pfalzgrafen Philipp Ludwig von Pfalz – Neuburg. Er überträgt seine Ansprüche auf seinen Sohn Wolfgang Wilhelm.
  • Schwester Magdalene ist mit dem Pfalzgrafen Johann von Zweibrücken vermählt und hat ihr Anrecht ebenfalls an den Pfalzgrafen von Pfalz – Neuburg abgetreten.
    1609 haben beide Possidierenden ( Besitzergreifenden ) ihre Besitzergreifungspatente durch Notare an die Stadttore ( auch in Wassenberg ) anschlagen lassen. Vorerst regieren beide über alle Erbländer und zwar der Pfalzgraf von Neuburg und der Kurfürst von Brandenburg.
    1614 einigt man sich in Xanten. Pfalz – Neuburg erhält Jülich mit Wassenberg und Berg. Brandenburg erhält die Länder Kleve, Mark, Ravensberg und Ravenstein.Wolfgang Wilhelm ( 1614 – 1653 ) . Mit ihm beginnt die Reihe der Regenten aus dem Hause Pfalz – Neuburg über Jülich und Berg mit der Residenz in Düsseldorf. In seine Regierung fällt der 30 jährige Krieg. In dem Pestjahr 1636 liegt ein Regiment Dragoner der Piccolomini – Armee auf der Wassenberger Burg. sie wird von den Protestantischen überfallen. ( Der Regimentskommandant mit mehreren Offizieren und Mannschaften, sowie 300 Pferde wurden nach Roermond gebracht. ) Die Wassenberger kommen in Verdacht, ihnen die Stadttore geöffnet zu haben, um sich der kaiserlichen Truppen zu entledigen.
    Wolfgang Wilhelm ist ein Förderer der Jesuiten und des Kapuzinerordens. 1650 wird in Wassenberg ein Kapuzinerkloster gegründet.
    Philipp Wilhelm, Sohn von Nr. 41 ( 1653 – 1690 ) . 1685 wird er Kurfürst. er sichert katholischen, reformierten und lutherischen Religionen gleiche Freiheit der Religionsausübung zu.( Evangelische Kirche und Kirchengemeinde in Wassenberg bestätigt und anerkannt. )Philipp Wilhelm und sein Sohn können gegen die Raubkriege Ludwigs XIV. (1672-1678) nichts unternehmen, die dem Land hohe Kriegssteuern auferlegten. Da sie nicht voll bezahlt werden, rücken die Franzosen in unsere Städte ein, u. a. in Wassenberg und Heinsberg.
    Johann Wilhelm, Sohn von Nr. 42 (1679 bzw. 1690 – 1716 ) erhält vom Vater 1679 die Herzogtümer Jülich und Berg, um die Heirat mit der Stiefschwester des Kaisers, der rzherzogin Maria Anna, zu ermöglichen. 1690, als sein Vater stirbt, wird er Erbe des Kurfürstentums Pfalz. Im spanischen Erbfolgekrieg ( 1701 – 1714 ) steht er an der Seite Kaiser Leopolds. Johann Wilhelm ist ein Förderer der Schützenbrüderschaften und bringt sie wieder zur Blüte.
    Karl Philipp ( 1716 – 1742 ) betrachtet das Herzogtum Jülich – Berg als Nebenland und hat es nie gesehen.
    Karl Theodor ( 1742 – 1799 ) tritt das Erbe Karl Philipps mit 18 Jahren an und ist der Bruder des Schwiegersohns Karl Philipps des Josef Karl von Sulzbach, welcher mit der einzigen Tochter des Karl Philipps verheiratet ist. Karl Theodor heiratet die Tochter des Josef Karl von Sulzbach, um sich die Erbfolge zu sichern. er steht im zweiten schlesischen Krieg auf der Seite Friedrichs des Großen. Erdbeben leiteten den Krieg ein ( 4 heftige Erdstöße am 26.12.1755 um 16.00 Uhr und 24.00 Uhr, am 26.01.1756 und am 18.02.1756, letzterer dauerte “ 2 Vaterunser „.Im Siebenjährigen Krieg steht er auf der Seite der Kaiserin Theresia gegen Preussen, obschon Friedrich der Große ihm Jülich und Berg überlassen hat. Zu diesem Schritt hat der König von Frankreich mit Geld nachgeholfen.
    1799 stirbt Kurfürst Karl Theodor. Er ist kinderlos. sein Erbe ist Maximilian Josef von Zweibrücken. er steht zu Napoleon, der zu Anfang des Jahres 1798 durch das Direktorium der Französischen Republik den Bürger Rüdler zum Rhein entsendet und das linke Rheinufer in vier Departements einteilt.
    Aufgrund des Wiener Kongresses kommt das Land Jülich mit Wassenberg im Jahre 1815 an Preussen. Die Burg Wassenberg wird an Privatleute verkauft.Ein Herr Reif kauft nach 1815 die Wassenberger Burg und läßt sie als Restaurant ausbauen.
    Im Jahre 1820 ist der Bürgermeister von Wassenberg und Birgelen, Alexander Packenius, im Besitz der Wassenberger Burg. Er entstammt einer angesehenen alten Schöffenfamilie.
    Die Erbin des Alexander Packenius ist seine Tochter Maria, welche mit Oskar von Forkenbeck verheiratet ist. ( geb. 28.09.1822 in Minden, gestorben 29.07.1898 zu Wassenberg.)
    Oskar von Forkenbeck ist der Gründer des Zeitungsmuseums in Aachen. Sein Grabstein steht auf dem Gelände des Marienhauses in Wassenberg, das von Maria Packenius dem Orden der Vinzentinerrinnen gestiftet wurde.
    Im Jahre 1873, am 13.10, verkauft Oskar Forkenbeck die Wassenberger Burg mit den dazugehörigen Ländereien für 18600 Mark an Theodor Robert Claus, einen Kaufmann aus Roermond.
    Seine Tochter Carolina Claus, geb. 19.04.1859 in Roermond, heiratet am 19.09.1882 den Apotheker von Wassenberg, Karl Hubert Gottfried Kofferath, geb. am 16.07.1841, gestorben 20.04.1919, Karolina stirbt am 06.10.1934.
    Die Burg kommt nun in den Besitz der drei Söhne:
  • Dr. Robert Kofferath, geb. 06.09.1883, verheiratet mit Mary Richartz aus Gerderath.
  • Dr. Walter Kofferath, geboren 1885. Sein Anteil geht auf Robert über.
  • Dr. Karl Kofferath, geboren 1889, verheiratet mit Berta Schrembs in München. Aus letzter Ehe geht eine Tochter hervor, die mit der Witwe des Dr. Robert Kofferath, Frau Mary das Vermögen nach 1948 teilt.
    Die Tochter des Karl Kofferath erhielt die Ländereien, die Witwe des Robert Kofferath die Burg mit den anliegenden 10 Morgen.Am 31.03.1953 kauft der Wassenberger Bauunternehmer Franz Hastert in Verbindung mit Herrn Melcher die Wassenberger Burg und die dazugehörigen 10 Morgen. Der Preis beträgt 10000 DM in bar und eine Rente von monatlich 350 DM für Frau Mary Kofferath.
    Im Jahre 1956 fällt die Burg zurück an Frau Mary Kofferath, geborene Richartz. Am 05.12.1957 erwirbt die Gemeinde Wassenberg die Burg mit den dazugehörigen 10 Morgen für den Preis von 65000 DM und einer monatlichen Rente von 350 DM sowie ein Wohnrecht auf Lebenszeit für Mary Kofferath. 1961 beschließt der Gemeinderat, die Burg zu einem Hotel auszubauen.Quellen: „Niederrhein“ von Manfred Veit
    Kirchen und Klöster am Niederrhein von Karl Emmerich Kramer
    Die Burg Wassenberg von Jacob Broich
    Der große PloetzDaten und Fakten wurden von mir, Uwe Wassenberg, teilweise unverändert aus den Quellen übernommen, teilweise aber auch dem heutigen Sprachgebrauch angepasst und neu formuliert.

Die Stadt Wassenberg damals und heute

12 Jan

Die Stadt Wassenberg wurde 1973 kreiert und setzt sich zusammen aus den ehemaligen Gemeinden Wassenberg und Ophoven im Westen, Effeld im Nordwesten, Birgelen im Norden, Orsbeck im Süden (alle aus dem ehemaligen Selfkantkreis) und Myhl im Osten.(aus dem Altkreis Erkelenz)
Umgebung:

Die Grenzgemeinde und alte Seidenstadt ( Seiden- und Drahtweberei, Bekleidungswerke, Schuh- und Kartonagenfabrikation ) im nördlichen Kreisgebiet Heinsberg besticht vor allem durch ihre reizvolle, von starken landschaftlichen Kontrasten gekennzeichnete Lage. Sie ist daher auch ein Luftkurort. Im Südwesten grenzt die Stadt an die Rur. Die Rurniederung bietet mit einer Höhe von 32 bis 40 Metern das Bild einer anmoorigen, von Erlen bestandenen Bruchlandschaft, die als Feld und Weideland genutzt wird.
Die Ablagerungen der Rur wurden in den letzten Jahren in starkem Maße durch die Sand- und Kiesbaggerei ausgenutzt.Der dadurch entstandenen Ophovener Seenplatte und dem Effelder Waldsee kommen als Erholungsgebiete immer mehr Bedeutung zu.
Aus der Rurniederung steigt mit 40 – 50m hohem Steilrand die Wassenberger Terrasse an, die durch zahlreiche Nebenbäche der Rur zu schmalen Riedeln zersägt ist, deren Hänge von Eichen-, Birken- und Nadelwäldern bedeckt sind. Auf einem dieser Sporne liegt die Burg Wassenberg, man blickt bis in die Maasniederung hinein und bis auf die südlich der Rur gelegene Geilenkirchener Platte mit der Stadt Heinsberg.
In der populären Bezeichnung lautet der Name für die Riedellandschaft Myhlener Schweiz, nach dem Wassenberger Stadtteil Myhl im Osten. Wassenberg nimmt den Süden des Naturparks Schwalm – Nette ein. Der berühmteste Wassenberger ist der Sämling, eine von hier stammende Pfirsichart.

Sehenswürdigkeiten:

In den Altstadtkern mit Straßenkreuz und dreieckigem Markt war die Burg mit einbezogen. Die Ummauerung mit den Wehrtürmen im Osten und dem Stadttor von 1365 im Westen umfasste den Burgberg nur zu einem Viertel. Von der Burg im Nordosten der Stadt sind noch der Bergfried aus der Zeit um 1420 und Unterburg ( Gaststätte ) erhalten. Am Südfuß des Burgbergs im Osten der Stadt liegt St. Georg. Von der im Januar 1945 weitgehend zerstörten romanischen Kirche blieben nur der mächtige Westturm sowie Fragmente des gotischen Sakramentshauses, Korb und Tür der Kanzel von 1782, einige Engelfiguren, die Darstellung der Ecclesia und das Bruchstück einer romanischen Altarsäule erhalten. Verwendung beim Neubau fand lediglich noch der spätgotische Kirchturm.
Zum Todestag des Jerusalemkönigs Balduin 1118 stiftete Graf Gerhard der Lange von Wassenberg im Ring des Wassenberger Burggeländes eine Chorherrengemeinschaft. Er baute im Bereich des Kollegiatstifts eine Pfeilerbasilika, die nach dem schon 300 Jahre früher von der Ostkirche in Byzanz heiliggesprochenen Drachentöter Georg benannt wurde. Georg wurde seinerzeit von Dichtern und Legendenschreibern als Heiliger im Harnisch und Idealfigur der abendländischen Ritterschaft verehrt. Die evangelische Kirche entstand 1670 aus einem umgebauten Bauernhaus. Eine Anlage mit Gondelweiher und Freibad sind der Stadtmauer im Südwesten vorgelagert, der große Stadtpark im Marienbruch schließt daran an. An seinem Rande liegt die alte flügellose Wingertsmühle mit einem Wildpark.

Baudenkmäler im Umkreis:

In Orsbeck sind in der Martinskirche die Umfassungsmauern einer um das Jahr 1000 entstandenen Saalkirche aus Feldsteinen gemauert und mit Ziegelfriesen verziert, erhalten. Die dreischiffige Ophovener Kirche wurde 1571 von den Zisterzienserinnen, die hier vor 1200 angesiedelt wurden, der Gemeinde überlassen.
Die Wasserburg Haus Effeld mag kurz vor 1500 erbaut worden sein. Sie ist westlich von Effeld zu finden.
Unmittelbar an der Grenze, zwischen Spargelfeldern und Erdbeerplantagen liegt der Effelder Waldsee mit Wassersportmöglichkeiten ( Segeln, Angeln, Baden ) und das Seerestaurant ( eigene Forellenzucht ) Im Südwesten von Effeld liegt die Wasserburg Haus Neuerburg. Sie kam 1549 an die von Hochkirchen und wurde, 1692 verpfändet, zur Jülicher Unterherrschaft.
Bei Wanderungen nordwestlich von Effeld begegnet man im Wald Hügelgräbern ( der niederrheinischen Kultur um 500 v. Chr. zugehörig ) und einer Landwehr ( nahe der Bundesgrenze )
Hat Haus Effeld einen Mittelturm mit Glockenhaube, so wird Schloß Elsum ( aus dem 12. Jahrhundert ) in gut gepflegter Anlage, westlich von Birgelen von eigenartig „übereck stehenden eckigen Ecktürmchen“ mit Spitzdach flankiert. Es geht auf einen 1280 erwähnten Hof zurück, 1440 war Wilhelm von Vlodrop, Erbvogt von Roermond ( Rurmünde ) im Besitz der Burg. Der Name Vlodrop taucht jenseits der Grenze als Ortsname wieder auf.
Am Fuß des östlich von Birgelen gelegenen Pützchensbergs steht die Marienkapelle. Hier bestand die älteste Taufkirche der Gegend, an deren Stelle die Marienkapelle erbaut wurde; in ihr tritt die Quelle des Birgeler Pützchens zutage. Das Kapellchen ist ein beliebter Wallfahrtsort. Die Birgeler Pfarrkirche ersetzt seit 1827 einen älteren Bau.
Östlich von Wassenberg gegen Myhl wurden früher die weißen Sande, die den Ton überlagerten, gewonnwn und als Fegsand vertrieben. Von hierher haben die Bewohner von Myhl ihren Spitznamen „Myhler Sandhasen“.
Südlich von Myhl liegt auf der Grenze nach Hückelhoven eine „Motte“, das heißt ein mittelalterlicher Burgwall, dessen Geschichte noch ungeklärt ist.

Quellen:
Niederrhein von Manfred Veit
Kirchen und Klöster am Niederrhein von Karl Emmerich Kramer
Die Burg Wassenberg von Jacob Broich