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14. August – Ein historisches Datum für Düsseldorf

14 Aug

Der 14. August ist für die Düsseldorf ein bedeutsames historisches Datum. Zum einen wurden der Stadt am 14. August 1288 durch Graf Adolf von Berg die Stadtrechte verliehen.

560 Jahre später, am 14. August 1848, wurde der preußische König Friedrich Wilhelm IV. auf der Königsallee – damals noch Kastanienallee genannt – mit Pferdeäpfeln beworfen. Weiterlesen

Paul Salitter – Führer der dritten Judendeportation aus Düsseldorf vom 11. Dez. 1941

12 Dez

Am 11. Dezember 2011 jährte sich zum 70. Mal der Tag, an dem eine Deportation von jüdischen Menschen aus dem Rheinland von Düsseldorf aus in Richtung Osten durchgeführt wurde.
Jeder Angehörige der Polizei konnte bereits am 1. Dezember 1941 in den »Mitteilungsblättern für die Schulung der Ordnungspolizei« nachlesen, was mit diesen Menschen passieren sollte: „Das Wort des Führers, dass ein vom Judentum angezettelter neuer Krieg nicht die Zerschlagung des antisemitischen Deutschland, sondern vielmehr das Ende des Judentums bringen werde, wird in diesen Tagen vollstreckt. Die gewaltigen Räume des Ostens, die Deutschland und Europa nun zur Kolonisation zur Verfügung stehen, ermöglichen in naher Zukunft auch die endgültige Lösung des jüdischen Problems, d.h. nicht nur die Entmachtung, sondern die tatsächliche Ausscheidung der parasitären Rasse aus der europäischen Völkerfamilie. Was noch vor 2 Jahren unmöglich erschien, wird nun Schritt für Schritt Wirklichkeit: Am Ende dieses Krieges steht das judenfreie Europa.“ Weiterlesen

Jacobe von Baden: Düsseldorfer Schlossgespenst wird 450 Jahre alt

16 Jan

Das Jahr 2008 steht ganz im Zeichen Jan Wellems, der vor 350 Jahren in Düsseldorf geboren wurde. Aber auch eine andere bedeutende Persönlichkeit der Düsseldorfer Geschichte feiert dieses Jahr einen runden Geburtstag: 100 Jahre vor Jan Wellem wurde, am 16. Januar 1558, im Neuen Schloss in Baden-Baden Jacobe von Baden geboren, die am 16. Juni 1585 in Düsseldorf mit dem Thronfolger Johann Wilhelm I. verheiratet wurde.
Es war eine große, spektakuläre Hochzeitsfeier mit Hunderten von geladenen Gästen, Festessen, Turnieren, Schauspielen und Feuerwerken, ein echtes Event im Rheinland, worüber die Nachwelt durch den Bericht des bergischen Landschreibers Dietrich Graminäus recht gut informiert ist. Die in seiner gedruckten Beschreibung von 1587 wiedergegebenen Illustrationen sind zugleich die ältesten Bilddarstellungen Düsseldorfs.
Die badische Prinzessin sollte am Düsseldorfer Hofe nicht glücklich werden. Da war der alte misstrauische Herzog Wilhelm, der trotz mehrerer Schlaganfälle die Macht nicht aus den Händen geben wollte, da war ihr geistig beschränkter, unter Tobsuchtsanfällen leidender und wohl auch zeugungsunfähiger Ehemann, der zeitweise mit Gewalt daran gehindert werden musste, die Menschen seiner Umgebung tätlich anzugreifen, und da war ihre bigotte und intrigante Schwägerin Sybille, die alles tat, um ihr das Leben schwer zu machen.

Als „Weiße Frau“ geistert sie durch den Schlossturm

Als Jacobe nach dem Tod des alten Herzogs 1592 versuchte, für ihren regierungsunfähigen Gatten die Regentschaft zu führen, verstrickte sie sich immer mehr in die inneren Parteiungen zwischen katholischen und protestantischen Räten und verscherzte es sich mit jeder der Gruppierungen. Als überdies ein Verhältnis mit einem Höfling bekannt wurde, machte ihr die katholische Gruppierung mit Sybille an der Spitze 1595 den Prozess und setzte sie im Düsseldorfer Schloss fest. Vermutlich, weil der Kaiser das Ende des in Prag geführten Prozesses hinauszögerte und der Papst nicht in eine Scheidung einwilligen wollte, sahen sich die Hintermänner am Düsseldorfer Hof gezwungen, Jacobe auf andere Art und Weise „loszuwerden“. Am Morgen des 3. September 1597 fand man die 39-jährige Herzogin jedenfalls tot in ihrem Bett, obwohl vorher keinerlei Anzeichen für eine Krankheit erkennbar waren. Eine Zeichnung, die wohl kurz nach ihrem Tod angefertigt wurde, zeigt Würge- oder Strangulationsmerkmale am Hals.
Schnell kamen Gerüchte auf, dass sie ermordet worden sei. Ein Mörder wurde nie verhaftet. Ihr Leichnam wurde ohne große Feierlichkeiten zunächst in der Kreuzherrenkirche beigesetzt. Erst 1920 wurde der Sarg in die Fürstengruft der Lambertuskirche überführt. Nach der Düsseldorfer Legende aber geistert die unglückliche Jacobe von Baden weiterhin als Gespenst oder „Weiße Frau“ durch den Schlossturm – den Rest des alten fürstlichen Schlosses am Rhein.

Quelle: duesseldorf.de

Die Familie zur (von der) Straten vom Stratenhof bei Hubbelrath im 17. Jahrhundert

12 Feb

Schon im Spätmittelalter gab es an der alten Heerstraße, die durch das Niederbergische von Westen nach Osten führte – heute „Bergische Landstraße“ genannt -, in der Nähe von Hubbelrath drei größere Höfe, deren Besitzer bzw. Bewirtschafter (Belehnte oder Pächter) den Zweitnamen „zur Straten“ hatten, so dass es Schwierigkeiten bereitet, von den urkundlichen Erwähnungen her, die gar nicht so selten sind, zu bestimmen, auf welchem der drei Höfe der erwähnte „ther Straten“ ansässig gewesen ist.

I. Einführung:

Doch setzten sich bereits vor 1600 für die beiden südlich der Bergischen Landstraße gelegenen Höfe neue Namen durch, die von den wohl im 16. Jahrhundert dort ansässigen Pächterfamilien herrühren. Das in Richtung Düsseldorf liegende Gut heißt „Koppelshof“, das nicht allzu weit entfernte östlich angrenzende größere landwirtschaftliche Anwesen ist der „Nothenhof“.
Den alten Namen behält bis heute der sich einige 100 Meter nördlich auf der anderen Seite der Bergischen Landstraße befindende Stratenhof, bei dem sich neuerdings eine moderne Wohnsiedlung gebildet hat. Wer diesen Hof bewirtschaftet hat, heißt im 17. Jahrhundert „ther (oder zur) Straten (Straßen)“. Familienangehörige, die von dort fortgezogen sind, werden „von der Straten“ genannt, sofern sie nicht nach Einheirat auf einen anderen Hof einen neuen Zweitnamen angenommen oder zudiktiert bekommen haben. Sobald es im 17. Jahrhundert möglich ist, mit Hilfe vorhandener Kirchenbücher Familienforschung zu betreiben, kann man also annehmen, dass vorkommende Namensträger „zur (von der) Straten“ nur noch von dem Anwesen stammen, das bis zur Gegenwart Stratenhof heißt.
Im folgenden soll versucht werden, deren Zusammenhänge in der Zeit bis nach 1700 zu klären. Später scheint sich im Raume Gerresheim/Hubbelrath „Straten“ als Familienname nicht gehalten zu haben. Auch die Bewirtschafter des Stratenhofes – in früherer Zeit als Belehnte bzw. Behandete, später als Besitzer – heißen von der Mitte des 18. Jahrhunderts an anders, nachdem der Hofesnachfolge, sei es der Schwiegersohn oder sonst ein Verwandter, seinen Zweitnamen behält und nicht mehr – das ist mittlerweile wohl außer Übung gekommen – genötigt ist, den Hofnamen zu übernehmen. Weiterleben könnte der Zweitname „zur Straten“ in der Form „Stratmann“, doch müßte der Nachweis einer besonderen Untersuchung überlassen bleiben, ob sich tatsächlich jüngere „Stratmann“ vom Stratenhof bei Hubbelrath herleiten, oder ob sie nicht von anderswo zugezogen sind.
Zuständig für den Stratenhof im religiösen Bereich ist die katholische Pfarre St. Cäcilia zu Hubbelrath, deren kontinuierliche Kirchenbuchführung 1662 mit den Taufen einsetzt.
Aufzeichnungen über die Sterbefälle reichen nur von 1662 bis 1665; dann gibt es nur gelegentlich bis 1681 Eintragungen dazu, danach lange Zeit gar nichts mehr. Die Notierung der Heiraten fängt 1681 an, und zwar ist das Register zunächst recht lückenhaft, erst nach 1726 ist es wohl vollständig. – Vor 1662 – und gelegentlich auch nachher – wenden sich Bewohner des Kirchspiels Hubbelrath auch an den Pfarrer in Gerresheim, wenn die Taufe eines Kindes erforderlich war.
Für Gerresheim hat sich nun das Taufbuch seit 1633 erhalten.
Im Band I trifft man allerdings auf eine für den heutigen Genealogen betrübliche Lücke, denn auf Seite 85 hört es unten am 3.9.1667 auf, auf der nächsten Seite fängt es oben mit dem 25.3.1673 wieder an. Offensichtlich hat jemand schon im 18. Jahrhundert für irgendwelche Zwecke Papier benötigt und kurzerhand einige Seiten aus dem Kirchenbuch herausgerissen.
Von 1675 an ist das zweite Taufbuch vollständig, wenn man auch immer damit rechnen muss, dass einzelne Amtshandlungen versehentlich nicht eingetragen worden sind.
Das von 1675 an vorhandene Heiratsregister ist ohne Lücken erhalten. Um 1688/89 trägt man auch die Eltern der Heiratenden ein, sonst stehen darin außer den Namen der Getrauten nur die Zeugen. Dabei können sich Verwandte, oft auch der Vater, wenn er noch lebt, befinden, so dass es sich bei genealogischer Forschung empfiehlt, außer den Taufpaten auch die Trauzeugen sorgfältig zu notieren. Gerresheimer Sterberegister sind aus dem 17. Jahrhundert nur für wenige Jahre nach 1675 erhalten; sie setzen dann erst 1720 ein, doch stören immer wieder erhebliche Lücken. Zum Ableben einzelner Personen sind daher in früherer Zeit bestenfalls grobe Schätzungen möglich, häufig lässt sich auch gar nichts dazu sagen.

II. Der Stratenhof

Der schon im 14. Jahrhundert genannte Stratenhof – nördlich der Straße – war ein Lehnshof, der vom Stift Gerresheim vergeben wurde und der zugleich ein kurmüdiger und zinspflichtiger Hof war, der seine Leistungen an den Oberhof Dern abführen musste. Der Stratenhof hatte abweichend von zahlreichen anderen Gütern, die zeitlich begrenzt verpachtet wurden, die besondere Eigenschaft, dass er ein Erbhof war. Der älteste Sohn des verstorbenen Hofesinhaber hatte ein Recht darauf, von dem Beauftragten des Stiftes auf Lebenszeit als Nachfolger mit dem Hof behandigt oder, wie es auch lautet, belehnt zu werden. Verstarb er vorzeitig ohne Nachkommen, so trat der nächstjüngere Bruder an seine Stelle, andernfalls folgte später wieder der älteste Sohn. Nur wenn keine Söhne vorhanden waren, erbten die älteste Tochter und deren Mann.
Somit hatten die Behandigten nicht ganz die Position wie Erbpächter, bei denen zwar die Neuvergabe im Todesfall nicht notwendig und sogar die Teilung des Besitzes unter den Kindern möglich war, die aber eine erheblich höhere Belastung durch die vertraglich festgelegte Erbpacht hatten.
Von der Größe und der Abgabenlast des Stratenhofs gewinnt man aus einer Eintragung im Schatz- und Lagerbuch des Amtes Mettmann aus dem Jahre 1672 eine gute Vorstellung; darin lautet es:
„Das Guth zu Straten genant Ist ein Churmündig Guth an den Derner Hoff, vndt helt Erstlich an Ländereyen; wie obglt. 25 Malterscheitt Darvon Einige schlechter Naturen

Item Hauß, Hoff, garth vndt Bongardt vngefehr 3 Morgen
Item an Einem Orth Busches, so Jhärlichs gehawen wirdt 3 Maßen
Item ein Busch genant der Schladderbusch, so frey ist vndt Jhärlichs gehawen wirdt 3 Maßen
Item an Benden vndt Drichen Vngefehr 3 Morgen
Vndt ist dießes guth ein Erbgut, vndt muß an Schatz geben 38 Schatzgl, 9 Raderalb
Item an güldengs Korns, weitzen – 6 ½ becher, Roggen 2 smbr. 3 becher, gersten – 1 sümb. 1 ½ becher, haber 2 Mlr.
Item thut eine gantze Herrenfuhr, vndt gibt grafenhaver, wie gewönlich, Imgleichen muß das Honnambt auff das Zehende Jhar bedienen
Item Sackzehenden Jhärlichs Roggen – 4 Mlr., weitzen – 1 ¼ Mlr, Gersten – 1 Mlr, haberen 4 Ml., Erbsen 6 Becher.“
Dazu noch als Nachsatz:

„Betreffendt das Borgesfeldt, so in obiges Landt anschießet, hatt biß hero Henrich zur Straten in Besitz gehabt, haltendt vngefehr – 4 Mlr – schiedts, giebt von alters in den Bornerhoff 4 ½ Rechsorth vndt 1 smbr. Roggen wie auch an den Hr. Pastoren zu Gerresheimb Zehenden“.
Der Umfang des zum Hofe gehörenden Ackerlandes wird nicht in der gewohnten Art und Weise unmittelbar mitgeteilt, sondern man verwendet hier die altertümliche Maßeinheit „Malterschitt“. Damit ist die Menge an Saatgut gemeint, die für die Bestellung der Felder notwendig ist. Mit einem Malter Getreide lassen sich nach E. G. Zitzen2 2 2/15 Morgen Land besäen. Demnach wären 25 Malterschitt (oder -scheidt) etwa 53,3 M Land gewesen. Doch muß diese Einheit „Malterschitt“ im Raume Gerresheim – infolge des Lößbodens mit optimalen Anbaubedingungen konnte man wohl mit weniger Saatgut auskommen – 3 ¾ Morgen Land bedeutet haben, und zwar ergibt sich das aus einer entsprechenden Eintragung im Lagerbuch Amt Mettmann 1672 für den Moschenhof. Darin erfährt man folgendes:

„…hat an Ackerland so viel, daß mann in allem darauff sehet 24 Mltr. Ad Vngefehr 90 Morg.
Rechnet man mit dem Multiplikator 3,75 bei den 25 Malterschitt des Stratenhofs, so hatte dieser 93 ¼ Morgen Ackerland, wozu dann noch die ca. 15 M. (4 Malterschitt) Pachtland auf dem Borgesfeld kommen.
Auch bei dem vom Hofesinhaber nutzbaren Busch verzichtet man auf eine Flächenangabe; dafür wird jeweils die zu schlagende Holzmenge pro Jahr angegeben. Wichtig ist die Angabe, dass es sich um ein „Erbgut“ handelt. Die steuerliche Belastung mit 38 Schatzgulden, 9 Raderalbus jährlich ist hoch. Eine zusätzliche Naturalabgabe ist das „Güldenge Korn“, nach den einzelnen Getreidearten spezifiziert; „güldenge“ bedeutet hier so viel wie:

„zu geltende“ = zu bezahlende, jährlich fällige.

Als Dienstleistung kommt dazu die „gantze Herrenfuhr“; an einem Tage oder auch an mehreren hat der mit dem Stratenhof Behandete unentgeltlich ein Gespann mit dem dazugehörigen Fuhrknecht bereitzuhalten für von der Herrschaft (hier das Stift) angeordnete Transporte.
Die Abgabe des Grafenhafers wird nur allgemein genannt; das ist anscheinend eine uralte Belastung, deren eigentlicher Sinn längst in Vergessenheit geraten ist.
Alle 10 Jahre muss der Stratenhofbauer für ein Jahr das Vorstandsamt der Honnschaft verwalten. Schließlich sind mit dem Sackzehnten – außer 6 Bechern Erbsen 10 ¼ Malter Getreide – weitere erhebliche Abgaben an Naturalien aufzubringen.
Belastend für das Gut ist besonders die Kurmud-Pflicht beim Ableben des jeweiligen Belehnten. Weil es sich um einen großen Hof handelt, unterliegt er der „Pferdt-Churmudt“. Im Jahre 1679 erfährt man dazu aus Akten des Stifts Gerresheim folgendes:

„Eodem auf absterben Henrichen zu Straten ist wegen des Gutß zur Straten, nachdem der Pferdtß Churmudt mit einem Pferdt abgestettet die Hobß iura entrichtet vnd dubbeler Zinß bezalt worden damit aufß neu behandet Johan zur Straßen nunmehr der eltister sohn. Vnd hat den Hobs aid außgeschworen.“
Weil der ältere 1679 verstorbene Bruder Henrich d. j. erst zwei Jahre vorher – im Jahre 1677 – mit dem Gut unter gleichen Bedingungen behandet worden war, musste der Hof binnen zwei Jahren zwei Pferde abgeben, die bei den Bestell- und Erntearbeiten fehlten, so dass die Leistungsfähigkeit des Betriebs auf längere Zeit beeinträchtigt wurde. Seit dem 17. Jahrhundert dürfte es allerdings auch möglich gewesen sein, die Kurmud in Geld abzuleisten; die zu zahlende Summe entsprach dann dem, was ein Pferd kostete. Am günstigsten war es in jedem Falle, wenn der jeweilige Hofinhaber möglichst etliche Jahrzehnte lang das Gut bewirtschaftete, so dass die Pferde-Kurmud nicht zu oft fällig wurde. Der gleichzeitig zu entrichtende „dubbele Zins“ war dagegen unerheblich. Vom jährlich zu entríchtenden Zins – etwa 30 bis 33 Heller – musste einmal die doppelte Summe – 60 bis 66 Heller, je nach Größe des Hofes – bezahlt werden.

III. Die einzelnen Belehnten des Stratenhofs bis 1662

In dem von Ingrid Buschmann-Höltgen veröffentlichten umfangreichen Beitrag: „Höfe und Familien im Kirchspiel Gerresheim vor 1805“ werden die mit dem Stratenhof Belehnten bzw. Behandeten gemäß den Quellen angeführt. Sie dürften miteinander verwandt sein und einer Familie angehören – es war ja ein „Erbhof“; doch lässt sich im Einzelfall nicht entscheiden, ob es sich um einen Sohn oder um einen Schwiegersohn oder gar um einen Bruder handelt, der die Nachfolge auf dem Stratengut angetreten hat.

Trotz dieser Unsicherheit sollen sie aufgezählt werden:

  • 1. Johann von Deypensypen gen. ter Strate, 1503 – 1506 beurkundet
  • 2. Hynrich Hoevels oder zer Straten, gen. 1526 – ca. 1546
  • 3. Johan zur Straten – er bewirtschaftet den Hof bis nach 1580
  • 4. Wilhelm zur Straßen, vermutlich Schwiegersohn des Vorgängers, 1587 behandet, bis über 1600 Lehnsmann des Stratenhofes
  • 5. Johann zur Straßen, 1606 beeideter Hofmann (Sohn oder Schwiegersohn seines Vorgängers?)

    Wohl der älteste Sohn des unter 5 angeführten Johann zur Straten war dann der jüngere Wilhelm zur Straten, der um 1595/1600 geboren ist und der mit einer Frau namens Christine oder Sting verheiratet war, die am 28.9.1664 gemäß dem Kirchenbuch Hubbelrath im Alter von ungefähr „circiter“ 70 Jahren verstorben ist. Sie dürfte um 1595/1600 geboren sein; denn sie kann bei ihrem Ableben auch erst an die 66 bis 67 Jahre alt gewesen sein, während der Pastor annahm, es seien „ungefähr“ 70 Jahre gewesen. Die wohl letzte Taufe eines Kindes Godefridus, bei der die Mutter schon weit über 40 Jahre alt war, verzeichnet das Kirchenbuch Gerresheim am 23.6.1641.
    Kurz vor 1628 wurde Wilhelm zur Straten durch das Stift Gerresheim mit dem vom Vater geerbten Hof auf Lebenszeit belehnt bzw. behandet. Außerdem hatte er von der Pfarre Gerresheim das Borngesfeld und Kirchenland bei Klein Clashausen gepachtet; dafür entrichtete er von 1628 bis 1662 die fälligen Abgaben. Von 1656 bis 1661 wird er als Schöffe des Landgerichts Gerresheim beurkundet.
    Dass Wilhelm ein Sohn und nicht ein Schwiegersohn seines Vorgängers auf dem Hof war, ergibt sich vor allem daraus, dass er Brüder hatte, die Land bewirtschafteten, das ursprünglich zum Stratenhof gehört hatte. Einer davon war der 1636 auf dem kleineren, unmittelbar an der Straße liegenden Anwesen Neuenhaus ansässige Ollof oder Adolf zur Straßen, wie aus Prozeßakten hervorgeht, gemäß denen Wilhelm zur Straßen beim Derner Hofgericht eine Klage dagegen führt, dass man das Gut Neuenhof (oder Neuenhaus) von dem größeren Hof abgesplissen und seinem Bruder übertragen habe
    . Von einem weiteren Bruder des Wilhelm zur Straten muss ein Johann zur Straßen abstammen, der von 1650 bis mindestens 1669 das sogenannte Schlössersgut hatte, das vermutlich zwischen dem Stratenhof und dem Giepenhof lag, von dem aber später keinerlei Spuren mehr vorhanden sind4. Daß dieser Johann zur Straten nur ein Neffe und nicht der Sohn des Wilhelm zur Straten gewesen sein kann, wird ersichtlich, wenn man sich die Parteien bei den beiden im Gerresheimer Kirchenbuch überlieferten Taufen seiner Kinder anschaut; es sieht dabei folgendermaßen aus:

  • 1. Gertrud, ~ 7.11.1650
    Paten: Wilhelm im Holt, Giertgen Jans des Kindes Vatters Mutter, und Grieth zum Born
  • 2. Adolphus, ~ 21.10.1653Paten: Adolff Wilhelms Sohn zur Strassen und Arndt im Nothhoff, Elisabeth Gimborn Haußfraw Henrichs zu Meigen

    Die Mutter des Kindesvaters Johann heißt „Giertgen“, die Ehefrau des Wilhelm zur Straten hingegen „Stingen“. Somit ist die Annahme, jener Johann zur Straßen auf dem Schlössersgut sei ein Sohn des Wilhelm auf dem Stratenhof gewesen, falsch, wenn letzterer auch einen gleichnamigen Sohn Johann gehabt hat, der am 19.5.1657 als „Johann Wilhelm zur Straßen Sohn“ Pate beim zweiten Kind seines Bruders Lutgen zur Straten gen. in der Plumpscheuer gewesen ist. Wilhelms Sohn Johann scheint aber vorzeitig – möglicherweise bald darauf – verstorben zu sein. Dass der Halfe auf Schlössersgut Johann hingegen ein Neffe des Wilhelm zur Straten gewesen ist, ergibt sich daraus, dass sein Vetter Adolf (Sohn des Wilhelm) am 21.10.1653 bei der Taufe des zweiten Kindes die Gevatterschaft übernommen hat.
    Nicht auszuschließen ist, dass Johann auf Schlössersgut ein weiterer Sohn des Adolf zur Straßen auf Neuenhaus gewesen ist. Träfe dies zu, so hätte der Vetter Adolf nicht nur den eigenen, sondern gleichzeitig den Großvaternamen Adolf an sein Patenkind weitergegeben, so dass man von einer versteckten Erbnamensitte sprechen könnte. Ob der Schlösserhalfe Johann später Nachkommen – eventuell mit anderem Zweitnamen – hatte, ließ sich noch nicht feststellen.
    Die Eheleute Wilhelm zur Straten/Stingen auf dem Stratenhof haben eine Reihe von Kindern, von denen vier Söhne herangewachsen sind:

  • 1. Henrich, * um 1620, † 1677
    oo um 1652/53 mit Helene vom Puddel
  • 2. Johann (Jan), * um 1620/25, † nach 1657, wohl vor 1662, ledig, am 19.5.1657 Pate
  • 3. Adolph, * um 1635/30
    oo I um 1654 mit Sophia Papendehl
    oo II um 1661 mit Elisabeth N.
  • 4. Lutgen, * um 1630
    oo vor 1655 mit Hiltgen N.

    Ihr Alter lässt sich nur grob schätzen, entsprechend ist die Reihenfolge nicht sicher bestimmbar. Doch ist wohl Henrich zur Straten der älteste Sohn seiner Eltern.

    IV. Henrich zur Straten und der Stratenhof bis ins 18. Jahrhundert

    Henrich (oder Heinrich) zur Straten tritt 1662 bald nach dem Tode seines Vaters dem geltenden Erbrecht gemäß die Nachfolge auf dem Stratenhof an.
    Vorher – seit spätestens 1652 – war er Halfmann auf dem Moschenhof; er kann aber dieses Pachtverhältnis kurzfristig beenden, als für ihn die Möglichkeit besteht, mit dem Stratenhof behandet zu werden, den er bis zu seinem Ableben 1677 bewirtschaftet hat. Mit seiner Frau Helene vom Puddel hat er 10 Kinder, die bis 1662 in Gerresheim und von 1665 an in Hubbelrath getauft worden sind.
    Nachfolger auf dem Stratenhof wird 1677 zunächst der noch unverheiratete älteste Sohn Henrich, der schon 1679 vorzeitig mit 22 Jahren verstorben ist.
    Daraufhin wird dessen etwas jüngerer nächster Bruder Johannes – bei der Taufe am 19.1.1654 mit dem Doppelnamen Johannes Christophorus registriert – mit dem Hof behandet bzw. belehnt. Im Jahre 1684 – genaue Datenangabe fehlt – verehelichte er sich in Hubbelrath mit Gertrud Höltgen vom Hubbelrather Hof; von den Eheleuten zur Straten/Höltgen werden in Hubbelrath von 1685 bis 1703 insgesamt 7 Kinder getauft.
    Johann zur Straten starb um 1721, und seine Witwe ließ danach anscheinend wohl ihren einzigen herangewachsenen, noch minderjährigen Sohn Johann Peter behandigen, der aber lange ledig bleibt, der erst am 3.2.1747 in Hubbelrath Maria Pütz, die Witwe des Johann Wilhelm Clashausen zur Frau nahm, und der dann für deren Sohn Johann Wilhelm aus ihrer vorherigen Ehe bis zu dessen Volljährigkeit den Clashausener Hof bewirtschaftet hat, während der Stratenhof an seine Nichte Catharina Helene Dohm (Tochter des Tilmann Dohm und der Maria zur Straten) und deren Ehemann Johann Wilhelm Lipgens überging. Von der alten Erbordnung für den Stratenhof ist demnach nicht mehr viel übrig geblieben.
    Wendet man sich wieder dem 17. Jahrhundert zu, so gibt es noch den dritten Sohn der Eheleute Henrich zur Straten/Helene vom Puddel, der am 23.1.1661 in Gerresheim auf den Namen Tillmannus getauft worden ist und der sich am 15.6.1688 mit Mechtild vom Rolland verheiratet hat. Dieser Tillmann von der Straten – er ist nicht mehr auf dem Stratenhof, so schreibt man statt „zur“ – „von der Straten“ – wird Halfmann auf dem Rolland, er heißt daher „auf dem Rolland“. Der Zweitname „von der Straten“ verliert sich bei seinen Nachkommen, möglicherweise sind die 3 Söhne – er hatte im ganzen 9 Kinder – auch nicht herangewachsen.
    Außer dem Bruder Adolf, dem ein besonderer Abschnitt gewidmet werden soll, möge einiges noch zu den übrigen Geschwistern zur Straßen und Kindern des Stammvaters Wilhelm zur Straten gebracht werden. – Ob der nur als Pate 1657 beurkundete Johann zur Straten älter oder jünger als sein Bruder Adolf gewesen ist, bleibt unsicher. Dieser Johann dürfte auch nicht mit dem Johann zur Straßen, verheiratet mit einer Frau namens Anna, identisch sein, dem am 7.6.1667 in Gerresheim einen Sohn Henrich Geliß taufen lässt. Bei dessen Vater muss es sich wohl um den gleichnamigen Halfmann auf Schlössersgut handeln, der 1667 in zweiter Ehe eine Frau mit Vornamen Anna gehabt hat.
    An vierter Stelle steht ein Lutgen (Variante für Ludger) zur Straten, der mit seiner Frau Hiltgen (Helene) von 1655 bis 1658 in Gerresheim 3 Kinder taufen lässt. Am 11.4.1655 bezeichnet man ihn als Pfechter (= Pächter) im der Plumpscheuer; bei den weiteren Taufen heißt er deshalb mit Zweitnamen nur „in der Plumpscheuer“.
    Nur die am 1.12.1658 getaufte Tochter Joter oder Jater (= Beatrix) ist herangewachsen; sie heißt wieder „von der Straten“, und sie verheiratet sich am 28.9.1678 in Gerresheim mit Diedrich von Lehn, Halfmann auf Schmitters Trotz zu Dellinghausen, mit dem sie von 1678 bis 1690 fünf Kinder hat.
    Der jüngste Sohn Godefridus, ~ 23.6.1641, ist offenbar nicht groß geworden. Doch kann man zwischen dem um 1630 geborenen Lutgen und dem 1641 dokumentierten Godefridus noch 2 Töchter des Stammelternpaares in deren Kinderreihe einsetzen. Das ist zum einen Catharina von der Straten, etwa 1638 geboren, am 4.2.1677 in schon etwas vorgerücktem Alter mit dem Witwer Leonard im Jüngskeshof oder vom Rolland verehelicht, mit dem sie noch 2 Kinder hat. Ihr Mann ist Halfmann auf dem Jüngskeshof.
    Eine andere Tochter des Wilhelm zur Straten dürfte Sibilla von der Straten sein, am 2.12.1677 als Patin notiert bei der Taufe des ersten Sohnes der Catharina von der Straten. Sibilla von der Straten verheiratete sich am 17.4.1668 in der Pfarre Erkrath mit Henrich Korsten; dabei ist einer der Trauzeugen ihr Bruder Henrich zur Straten.

    Autor des Berichts, erschienen in der Düsseldorfer Familienkunde, der Quartalsveröffentlichung des Düsseldorfer Vereins für Familienkunde e.V.:
    Alfred Blömer, Schömkensweg 30, 41068 Mönchengladbach

    Literatur:
    Ingrid Buschmann-Höltgen – „Höfe und Familien im Kirchspiel Gerresheim vor 1805“

Straten und Variationen im Buch …ist mit Burgeraydt beladen…

7 Jun

„Straten“ und den Variationen aus dem Buch von Joachim Schulz-Hönerlage „…ist mit Burgeraydt beladen…“ herausgesucht. Joachim Schulz-Hönerlage ist der Leiter des Stadtarchivs Ratingen.

Die Angabe der Seite bezieht sich auf das Buch von Hönerlage, die Angabe des Eintrags bezieht sich auf die Originalausgabe des Ratinger Bürgerbuchs.

Einträge:

Seite 77: Peter von der Stratten, 11. Eintrag
Mercury, den 2. Juny 1694
Praesentibus B. Bramerdt, B. Strack, Steinges, Neander ahnstatt herr Dr. Dautzenberg, Maximilian Beeßen und Miner, stattschreiberen Collenbach.
Peter von der Stratten, alß ein tagelöhner, gibt der statt nichts.


Seite 85: Thöniß von der Straten, 1. Eintrag
Mercury, den 7, Juny 1702
Praesentibus herrn burgermeister Collenbach, Mullers, Neander, Neckelman, Weidtman, Steinhauß. Thöniß von der Straten hatt den burgeraydt außgeschworen und gibt der statt 1/2 rtlr., 1 lederen emmer.


Seite 90: Tilman von ther Strathen, 3. Eintrag
Mercury, den 22. May 1709
Praesentibus herr burgermeister Collenbach, Beeßen, Wolff, Rhatt, Steinhauß undt Polheimb.

Tilman von ther Strathen zur Hegden hatt den burgeraydt außgeschworen, alß ein auswendiger gibt der statt nichts.


Seite 97: Frantz ter Strathen, 12. Eintrag
Mercury, den 8. Juny 1718

Frantz ter Strathen, burgerssohn, hat den burgeraydt außgeschworen undt gibt auß bewegenden ursachen der statt nichts.


Seite 112: Conradus von der Strathen, 10. Eintrag
Burgerwahl pro anno 1735 nach außgeschworenem burgeraydt.

Conradus von der Strathen, burgerssohn alhier, gibt der statt alß ein unvermögender nichts, nur einen lederen emmer.


Seite 116: Hans Wilhelm von der Strathen, 12. Eintrag
Burgerwahl vors jahr 1738

Hans Wilhelm von der Strathen, geburtig vom Rolland in der honschaft Raed, hatt den burgeraydt extense aufgeschworen und gibt der statt als ein außwendiger nichts.


Seite 130: Henrich von der Strathen, 4. Eintrag
Mercury, den 24ten May 1752

Henrich von der Straten, ein burgerssohn, gibt der statt alß ein beabschiedeter nichts und hatt den burgeraydt extense außgeschworen.


Seite 140: Peter Strathen, 13. Eintrag
Martis, den 10ten Juny 1760

Peter Strathen, auffm Koppeschaer im backhauß wohnhaft, hat den burgeraydt extense außgeschwohren und gibt der statt als ein außwendiger nichts.


Seite 162: Wilhelm Strater, keine Angabe des Eintrags

Mercury, den 21. May 1777.
Coram domini consule titulo Ubers, sodan regierenden rath Strack, Schelscheid, Weidtman, Lensch und stattrhentmeister Degreck.
Peter Bruns – Frantz Clövenhauss – Wilhelm Strater und Chirurgus Schütz seind ad citationem nicht erschienen.
Zusatz von Hönerlage: Name Clövenhauss im Original gestrichen!


Seite 163: Wilhelm Strater, 14. Eintrag
Mercury, den 21. May 1777
Coram domini consule titulo Ubers, sodan regierenden rath Strack, Schelsscheid, Weidtman, Lensch und stattrhentmeister Degreck.

Wilhelm Strater, dahier gebürtig, 48järigen Alters, catolischer religion, seiner profession ein pfannebeker, weigert sich, das geforderte geld zu zalen.
Decretum:
Citetur aretius (?) zu ausschwörung des burgereydts auf samstag und zalung 5 rtlr. id est sub poene exemtionis (?) de vetero datur d[ic]tu/d[ecre]to(?) exemturam gegen den Johann Henrich Schlippert wegen nicht gütlicher Zahlung wollend burgerrecht ad 31/2 rtlr.


Seite 163: Wilhelm Straten, 17. Eintrag

Sabbathi, den 24 May 1777
17. Eintrag
Wilhelm Straten, dahier in der burgerschafft gebürtig, 48jährigen Alters, catolischer religion, seiner profession ein pfannenbecker, hat den burgeraydt abgelegt und gibt der stadt rtlr. 20 st.


Seite 171: Wilhelm Strassen 23. Eintrag:
Coram domini consule Schelscheid sodan herr Liethen, Schönen und stadtrhentmeister herrn Pannenberg sind folgende zu burgern angenohmen und beeidet wsorden:

Sa, den 25ten May 1782
Wilhelm Strassen, dahier gebürtig, hat den burgereidt abgelegt und gibt der stadt 1 Rtlr. 20 st. nebst Ledereimer


Seite 175: Johann Strater, 14. Eintrag
Mittwoch, den 7 Junius 1786.
Coram domini consule Liethen sodann Strack, Schelscheidt, Ringels, Schönen und Pannenberg.

Johann Strater, dahier gebürtig, gibt als einwendiger burger 1 rtlr., 20 st.

Quelle:

Buch: „…ist mit Burgeraydt beladen…“ von Joachim Schulz-Hönerlage.
Zusatz: Bürgeraufnahmen in Ratingen in Mittelalter und früher Neuzeit
Autor: Joachim Schulz-Hönerlage
Erschienen: Ratingen 1997
Verlag: Selbstverlag Stadtarchiv Ratingen
Druck: Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt an der Aisch
ISBN: 3-926-538-28-7
Bezug: Nachfrage beim Stadtarchiv, ob noch lieferbar
Internet: http://www.ratingen.de